Vinschgauer (Südtiroler Roggenfladen) – Rezept & Anleitung

Traditionelle Vinschgauer: dünne, herzhafte Roggen-Weizen-Fladen mit Kartoffeln, Kreuzkümmel bzw. Kümmel und Schmalz oder Öl. Schritt-für-Schritt-Zeitplan und Problemlösungen für Zuhause.

Auf einen Blick

Schwierigkeit
mittel
Aktive Zeit
40 Minuten
Gesamtzeit
18–24 Stunden
Ergibt
8 kleine Fladen (ca. 800–900 g Gesamtteig)

Vinschgauer sind dünne, ovale Roggen‑Weizen‑Fladen aus Südtirol, traditionell mit gekochter Kartoffel oder Kartoffelstampf angereichert, mit Kümmel oder Schabzigerklee (oder Kümmel) gewürzt und vor dem Backen mit Schmalz oder Öl bestrichen. Das Ergebnis ist eine charakteristische zähe Krume mit leicht knuspriger Kruste; lange Fermentation verbessert Aroma und Haltbarkeit.[1][2]

✓ Dünne, ovale Laibe mit traditionellen Einschnitten ✓ Verwendet gekochte Kartoffel für Zartheit ✓ Kann im Voraus zubereitet und später gebacken werden

Nicht geeignet wenn:

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Zutaten

Wiegen Sie alles auf einer Küchenwaage für konstante Ergebnisse; traditionelle Vinschgauer beruhen auf präziser Hydration und Kartoffelzugabe, um die richtige Textur zu erreichen.[1][2]

Zutat Menge % Notiz
Brotmehl (oder starkes Universalmehl) 300g 60% gibt Struktur für dünnes Ausformen
Mittleres Roggenmehl 200g 40% verleiht das charakteristische Aroma
Gekochte Kartoffel (gestampft, abgekühlt) 200g 40% nach Schälen und Kochen wiegen; stärkehaltige Kartoffeln für beste Textur verwenden
Wasser 180g 36% je nach Feuchtigkeit der Kartoffel leicht anpassen
Aktiver Starter (100% Hydration) 100g 20% 4–8 Stunden vor Verwendung gefüttert und aktiv
Salz 9g 1.8%
Schmalz oder neutrales Öl 20g 4% zum Bestreichen vor dem Backen
Kümmel oder Kreuzkümmelsamen 5-8g 1.0% traditionelle Würze; bei Bedarf leicht mahlen

Zeitplan

Traditionell langsam

Übernachtgare für intensiveren Geschmack

Abend 20:00 Starter füttern und bis zur Aktivität stehen lassen
Nächster Morgen 08:00 Teig mischen (gekochte Kartoffel, Mehle, Wasser, Starter, Salz kombinieren) (15 min)
Morgen 08:15 - Nachmittag 14:00 Stockgare bei 20°C (6 Stunden)
Nachmittag 14:00 Teig teilen und vorformen (10 min)
Nachmittag 14:30 - 16:00 Stückgare bei Raumtemperatur oder kälter zur längeren Gare (1,5 Stunden (oder 8–12h kalt))
Abend 16:00 Backen (12–18 Minuten)

Vorbereiten für Wochentag

Über Nacht mischen und kalt gehen lassen, am nächsten Tag backen

Nacht 22:00 Teig mischen und kurz bei warmer Temperatur stocken lassen (1–2 Stunden)
Nacht 24:00 Teig teilen, leicht formen, auf Blech legen und kühlen
Nächster Tag 16:00 Auf Raumtemperatur bringen und kurz zur Auffrischung gären lassen
Nächster Tag 17:00 Backen (12–18 Minuten)

💡 Tipps

  • Wenn der Teig langsam gärt, erhöhen Sie die Raumtemperatur um ein paar Grad, um die Hefetätigkeit zu beschleunigen[1].
  • Geformte und leicht geölte Fladen können 24–48 Stunden im Kühlschrank ruhen, bevor sie gebacken werden, ohne die Form zu verlieren[2].

Schritt für Schritt

1

Kartoffel und Starter vorbereiten

Kartoffeln kochen und stampfen, auf Raumtemperatur abkühlen lassen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Starter aktiv ist (sprudelnd und am Höhepunkt). Verwenden Sie ein Glasgefäß, wenn Sie den Starter darin aufbewahren.[1]

✓ Visueller Check: Kartoffelstampf ist glatt ohne heiße Stellen; Starter verdoppelt sich in der erwarteten Zeit
⚠️ Häufiger Fehler: Heiße Kartoffel verwenden – das tötet die Hefen

⏱ Variabel (während der Starterauffrischung vorbereiten)

2

Teig mischen

In einer großen Rührschüssel Mehle und Kümmel vermischen. Gestampfte Kartoffel, Wasser und Starter zugeben. Mit einem Teigquirl oder Löffel verrühren; zum Schluss mit einem Teigschaber falten. Der Teig wird weicher sein als reiner Roggenteig, aber gut handhabbar.[1][2]

✓ Visueller Check: Homogener Teig mit vollständig eingearbeiteter Kartoffel
⚠️ Häufiger Fehler: Zu viel zusätzliches Mehl hinzufügen; nur kleine Anpassungen der Hydration vornehmen

⏱ 10–15 Minuten

3

Stockgare

Schüssel abdecken (Deckel oder Tuch) und bei 20–24°C gären lassen, bis ein moderater Anstieg und kleine Bläschen an der Oberfläche sichtbar sind. Dies ist eine entspannte Gare; Vinschgauer benötigen nicht den starken Ofentrieb großer Laibe.[1]

✓ Visueller Check: Leichte Volumenzunahme und Durchlüftung

⏱ 4–7 Stunden, abhängig von der Temperatur

4

Teilen und formen

Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben. In 8 gleiche Stücke teilen mit einem Teigschaber. Jeden Teil durch Abklopfen und sanftes Dehnen zu einem Oval formen; nicht stark entgasen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.

✓ Visueller Check: Gleichmäßige Ovale, etwa 20–25 cm lang

⏱ 10 Minuten

5

Stückgare und Finish

Jeden Fladen mit Schmalz oder Öl bestreichen. Drei flache diagonale Einschnitte mit einem Brotlame über jedes Brot setzen (traditionelles Zeichen). Nach Wunsch zusätzliche Samen darüber streuen.[2]

✓ Visueller Check: Oberfläche fühlt sich leicht aufgepolstert an, aber nicht übergare

⏱ 30–60 Minuten bei Raumtemperatur oder 6–12 Stunden im Kühlschrank

6

Backen

Ofen auf 245°C vorheizen. Die Fladen auf dem Blech backen (oder auf einen vorgeheizten Backstein übertragen) für 10–12 Minuten, bis die Ränder knusprig und die Oberfläche goldbraun ist. Ein kurzes, heißes Backen bewahrt die Dünnheit und verleiht die für Vinschgauer typische knusprige Kante.[2]

✓ Visueller Check: Goldene Ränder und feste Unterseite; Kerntemperatur ist bei diesen dünnen Laiben weniger kritisch

⏱ 10–14 Minuten

7

Abkühlen und lagern

Kurz auf einem Gitter auskühlen lassen — am besten leicht warm oder bei Raumtemperatur genießen. In einer Papiertüte oder im Brotkasten aufbewahren; durch den Roggen‑ und Kartoffelanteil halten sie sich länger als viele Weizenbrote.[1][2]

✓ Visueller Check: Laibe kühlen aus, ohne durchzuweichen

⏱ 15–30 Minuten

Tipps & Variationen

Variationen

Vegetarisch (Öl statt Schmalz)

Neutrales Öl oder Olivenöl zum Bestreichen verwenden

→ Hält es vegetarisch; leicht andere Mundgefühl

Kräuterhaft

Gehackten Rosmarin oder Thymian in den Teig oder zum Bestreichen geben

→ Aromatische Variante, passt gut zu Käse

Würzig

Die Hälfte des Kümmels durch zerdrückten Fenchel oder milde Chiliflocken ersetzen

→ Wärmere, würzigere Geschmacksrichtung

Profi-Tipps

  • 💡 Zutaten auf einer Küchenwaage wiegen für gleichbleibende Chargen[1].
  • 💡 Sind die Kartoffeln sehr nass, leicht in einem Tuch auspressen, um eine zu hohe Hydration zu vermeiden[2].
  • 💡 Mit einem Brotlame nur flach einschneiden; zu tiefe Einschnitte reißen und machen die Fladen dicker.

Häufige Probleme

Häufige Probleme bei Vinschgauer und wie man sie behebt:

Aufbewahrung

Papiertüte / Brotkasten

3–5 Tage

Papier lässt leichtes Austrocknen zu, das die Krustentextur erhält

Küchentuch

3 Tage

Warm einwickeln, um Weichheit zu bewahren

Einfrieren

2–3 Monate

Vollständig auskühlen lassen, mit Backpapier zwischen den Fladen stapeln und einfrieren

⚠️ Kühlschrank vermeiden — er beschleunigt das Altbackenwerden durch Stärke‑Retrogradation[1]

Quellen

  1. [1]
    The Perfect LoafThe Perfect LoafLink
  2. [2]
    PlötzblogPlötzblogLink